
Foto: Michael Hopf
„Form beginnt, bevor sie sichtbar wird.“
Judith Milberg 2026
WERK
Die Arbeiten von Judith Milberg entstehen aus einer intensiven Beschäftigung mit Entstehungs- und Veränderungsprozessen – wie Strukturen und Formen wachsen, sich verbinden, verdichten, auflösen und neu formieren.
Ausgangspunkt sind Recherchen in Philosophie und Mathematik, zur Entstehungsgeschichte der Erde, zu Geologie und Biologie. Dieses Wissen wird nicht illustriert, sondern durchläuft einen inneren Prozess der Transformation. Aus Wissen wird Vorstellung, aus Vorstellung wird Form.
Die Formen entziehen sich einer eindeutigen Benennung. Sie erinnern an Körper, Pflanzen, Wesen oder Organismen, ohne sich einer dieser Welten eindeutig zuordnen zu lassen. Sie befinden sich in einem Zustand des Werdens, zwischen Bekanntem und noch nicht Benennbarem.
Naturholz ist ein wesentlicher Bildträger. Judith Milberg schneidet die Tafeln in Formen und entwickelt große Arbeiten aus einzelnen Elementen. Außerdem arbeitet sie auf vom Schreiner gebauten, acht Zentimeter tiefen Holzkästen in unterschiedlichen Formaten. Die Stückelung und das Fragmentarische sind dabei Teil der Arbeit: Aus einzelnen Formen entstehen Zusammenhänge, die sich fortsetzen, verändern und neu zusammensetzen lassen.
Pastell, Kohle, Tuschen und Interferenzpigmente werden direkt auf das Naturholz aufgetragen. Die Pastellkreiden werden mit den Händen in die Oberfläche eingerieben. So verbinden sich Material und Bildträger unmittelbar miteinander. Der körperliche Arbeitsprozess ist Teil der Formentstehung – die Form findet ihre Gestalt im Prozess.
Mit Glas erweitert Judith Milberg ihre Arbeit in den Raum. Transparenz, Überlagerung und Licht verändern die Wahrnehmung der Formen. Sie liegen hintereinander, durchdringen sich und treten je nach Lichteinfall und Standort unterschiedlich hervor. Die Form ist nicht mehr ausschließlich an eine Oberfläche gebunden, sondern wird räumlich und veränderlich.
So entsteht ein Werk, in dem nichts endgültig festgelegt erscheint. Nicht der Mensch ist das Ziel dieser Formen. Er ist der Moment, in dem wir das Wachsen als Lebendigkeit erkennen.
Vita
Judith Milberg studierte Kunstgeschichte und Ägyptologie. Nach dem Studium war sie viele Jahre im Kunst- und Kulturbereich tätig und realisierte Ausstellungen, Publikationen und Projekte für Museen, Sammlungen und kulturelle Institutionen.
Parallel dazu entwickelte sie über viele Jahre ihre eigene künstlerische Arbeit. Erst 2017 entschied sie sich, mit dieser an die Öffentlichkeit zu treten. Seitdem werden ihre Werke regelmäßig in Galerien, Museen und Institutionen gezeigt und befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.
Judith Milberg lebt und arbeitet in München und Italien.